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Berufsausbildung im Südsudan
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Report of ASASE's Director's visit to Juba >>
(March 2017, pdf

External consultant's evaluation report of our vocational training program >>
(2016, pdf)


Hintergrund und bestehender Bedarf

Das jüngste Land der Welt (und eines der ärmsten) entstand 2011 aus einer Nachkriegssituation. Man hatte kaum mit einem Konsolidierungsprozess und dem Wiederaufbau begonnen, als 2013 ein innerer Konflikt ausbrach.

Der Interventionsbereich des Projekts ist die Hauptstadt Juba und ihre Umgebung.  Der Konflikt hat die Hauptstadt bis auf die ersten Julitage 2016 verschont, sie hat aber ca 80 000 Flüchtlinge aufgenommen.
Das im Südosten von Juba gelegene Lologo ist ein Elendsviertel mit 5 000 Einwohnern. Ab 2007 haben wir beschlossen, hier die Errichtung eines Zentrums für Berufsbildung und Gemeindeentwicklung zu unterstützen (CFPDC). Das globale Ziel dieses Projekts ist, „ den Menschen statt der Gewehre Kellen und Spaten in die Hand zu geben“, anders ausgedrückt, an der Befriedung und Entwicklung des Lands mitzuarbeiten.

Wegen der chronischen Krisensituation gibt es hier kaum Entwicklungshilfe. Im Gegensatz zu den anwesenden NGOs ist die von unserem Partner vor Ort eingesetzte Maßnahme sozusagen einzigartig im Land und hat ihre Berechtigung schon unter Beweis gestellt. Anstatt Symptome zu kurieren beginnt dieses Projekt an den Wurzeln des Übels, die zu Gewalt im Land führen: Perspektivenlosigkeit, Fehlen von Grundbedingungen zur positiven Zukunftsbewältigung.“

Nach Jahrzehnten der Auseinandersetzungen fehlt es heute vielen Erwachsenen noch immer an Möglichkeiten:
  • Finanzen: es ist unmöglich, Arbeitsgeräte anzuschaffe.
  • Grundbesitz: keine Möglichkeit zur Bestreitung des Lebensunterhalts: viele Inlandflüchtlinge haben in Juba keinen Zugang mehr zu den Äckern, die sie bestellten.
  • Menschliches Kapital: alle Familien haben Kriegsopfer zu beklagen, jeder hat einen nahen Verwandten verloren; die Migration macht es unmöglich, sich ein Netzwerk zu schaffen.
  • Intellektuelle Möglichkeiten: der Analphabetismus zieht ein Fehlen von Perspektiven nach sich, Grenzen, Zwänge und ständige Behinderungen in beruflichen Abläufen.
  • Technische Möglichkeiten: da die Menschen keinerlei Bildung erhalten haben, machen sie dieselben informellen Arbeiten, die wenig Kompetenz erfordern (Frauen stellen Alkohol her und verkaufen ihn, Männer fahren Taxi mit ihren Mopeds). Das Bildungsangebot in den staatlichen Institutionen ist begrenzt.
  • Zeit: alle Energie wird für das am dringendsten Notwendige verwendet, um das Überleben zu sichern, einen Beruf zu lernen und eine Arbeit aufzunehmen erfordert Zeit und rentiert sich nicht sofort.
  • Kultur: Frauen werden auf ihre traditionelle Rolle festgelegt (Haushalt führen, kochen, Kinder hüten...) Die Unterordnung der Frau ist im patriarchalischen System und den lokalen Bräuchen verankert.
  • Vertrauen: Unternehmertum wird weniger angestrebt als Hilfsdienste.

Innerhalb weniger Jahre ist das Zentrum in Lologo (CFPDC), in einem Land, dessen Gesellschaft als Folge des Jahrzehnte dauernden Bürgerkriegs unter Behinderungen aller Art leidet, zu einem regionalen, wenn nicht sogar nationalen Vorzeigeprojekt für dynamische Entwicklung und Resilienz geworden. „Die Vinzenzgemeinschaft hat bewiesen, dass sie die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung erfassen und darauf abgestimmte Projekte einsetzen, organisieren und sie transparent und professionell durchführen kann.“*


Das Berufsbildungszentrum in Lologo

2008 errichtet und 2009 eingeweiht hat dieses Zentrum zu Beginn die Ausbildung in drei Berufen angeboten, die in einem Gebiet, wo alles wieder aufgebaut werden muss, sehr nachgefragt waren: Maurer, Elektriker und Tischler.
Um auf einen großen lokalen Bedarf zu reagieren wurden 2012 drei neue Ausbildungen angeboten: Schneider, Informatiker, Automechaniker.
Seit 2015 bietet das Zentrum auch eine Ausbildung zur Führung eines Bauernhofs an (für Frauen) und eine Ausbildung in Gesundheitspflege, Hygiene, Erster Hilfe.

Bis Ende 2017 werden mehr als 3 100 Erwachsene seit Eröffnung des Zentrums ausgebildet werden. Wenn man die Angehörigen der Absolventen mitzählt, werden schätzungsweise 15 000 Personen von diesem Projekt profitieren.

Die Zielgruppe sind Erwachsene (16 – 40 Jahre), die über ein Einkommen von weniger als 1€ pro Tag verfügen, vor allem aus Juba und Umgebung, das sind geschätzte 160 000 Personen.
Besonderes Augenmerk liegt auf den schwächsten Gruppen: ehemaligen Kindersoldaten, Witwen, unverheirateten Müttern, ehemaligen Kämpfern, Jugendlichen mit sporadischer Schulbildung, Arbeitslosen, Erwachsenen ohne jegliche Berufsausbildung, Häftlingen, physisch und psychisch Behinderten,...
Die Hälfte der Ausbildungsplätze erfordern ein Minimum an Schulbildung.

Das Verhältnis der Absolventinnen zu den Absolventen ist von 3% im Jahr 2011 auf 48% im Jahr 2015 gestiegen.

Die Ausbildung beginnt im Februar. Die Abschlusszeugnisse werden im Dezember überreicht.

Um der multikulturellen Umgebung Rechnung zu tragen, werden die Ausbildungen auf Arabisch und Englisch angeboten.

Jede Ausbildung besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Die praktischen Arbeiten werden im Allgemeinen in den Lehrwerkstätten des Zentrums durchgeführt. Um die Lehrlinge an ihr zukünftiges Arbeitsumfeld zu gewöhnen, arbeiten sie aber auch drei Wochen außerhalb des Zentrums.

2012 und 2013 hat die Vinzenzgemeinschaft mit UNIDO (Organisation der Vereinten Nationen zur Industriellen Entwicklung) zusammengearbeitet und für sie zusätzlich zu den eigenen 360 Lehrlinge weitere 700 Erwachsene ausgebildet.

Mehr als 60% der Absolventen sind drei Monate nach Lehrabschluss finanziell unabhängig.

Der Vertreter des Arbeitsministeriums hat seine Bewunderung für die die von der Vinzenzgemeinschaft geleistete Arbeit ausgedrückt, welche seiner Meinung nach ‚die wichtigste und beste Initiative zur Berufsausbildung im Land’ darstellt. Er schlägt die Eröffnung solcher Zentren in anderen Regionen vor.(...)

Der Auxiliarbischof von Juba ist stolz auf das, was die Vinzenzgemeinschaft auf dem Stück Land erreicht hat, das sein Bischof der Organisation großzügig überlassen hat. Er bestätigt, dass auf diesem 9 ha großen Areal nichts Nützlicheres hätte errichtet werden können.“*


Ein Berufsbildungszentrum.... und ein Zentrum für Gemeindeentwicklung

Ein weiteres Ziel des Zentrums in Lologo ist, personelle und kollektive Ressourcen zu stärken, um das Zusammenleben zu verbessern.

Alle am Projekt Beteiligten lernen, Konflikte zu lösen, miteinander zu arbeiten, Ziele zu setzen und eine gemeinsame Zukunft zu planen.

Sie nehmen an den Aktivitäten des Zentrums teil und respektieren Pluralismus und Diversität (sexuell, ethnisch, religiös, kulturell), wie es der lokale Partner seit Einweihung des Zentrums 2009 klar gemacht hat.

Für alle offene Versammlungen werden im Zentrum organisiert, zu den Themen Friedensförderung, vernünftiger Ackerbau, Menschenrechte, Respekt für Pluralismus und Diversität.

Auf dem Areal des Zentrums wurden folgende Gebäude errichtet:
  • Ein Kindergarten und eine Grundschule für 680 Kinder aus unterprivilegierten Familien;
  • Eine Halle, in der dreimal pro Woche an 350 Kinder unter 7 Jahren (vor allem Kinder der Schule) eine Mahlzeit ausgegeben wird;
  • Eine Kapelle, die für die lokale Bevölkerung sonntags zur Kultstätte geworden ist.

Ausgezeichnete Beziehungen, eine Symbiose, zwischen dem Zentrum von Lologo und der benachbarten Bevölkerung dank Gemeindeveranstaltungen, dank der Teilnahme der Gemeinde an Entscheidungsfindungen, dank der Hilfe für mangelernährte Kinder, der Schulbildung für alle, der Berufsausbildung, die vorrangig für die Gemeinde bestimmt ist (...)
Schließlich haben noch zwei Vertreter des Ältestenrats mit eigenen Worten die Harmonie bestätigt, die zwischen dem Zentrum und der örtlichen Bevölkerung herrscht.
Sie haben bestätigt, dass sie regelmäßig um ihre Meinung gebeten werden, wenn strategische Entscheidungen bezüglich des Lebens im Zentrum zu treffen sind. Sie sind sich der direkten positiven Auswirkungen auf ihre Gemeinde bewusst, da ihre Kinder vorrangig Zugang zu den Ausbildungsmöglichkeiten haben. (...)
In der Mehrzahl der Fälle werden strategische Entscheidungen zuerst mit der lokalen Bevölkerung getroffen, dann mit dem Leitungsteam vor Ort.“*

*Auszug aus dem Evaluationsbericht des externen Prüfers der Stadt Genf im Jahr 2016.

Das bewirkt Ihre Spenden:

Mit 100 CHF (€ 92) schenken Sie einer Absolventin der Schneiderlehre in Juba, Südsudan, eine Nähmaschine und ebnen ihr damit den Weg in die Selbständigkeit

Mit 120 CHF (€ 110) finanzieren Sie einen Monat Berufsausbildung füt einen Erwachsenen in Juba, Südsudan, der weniger als 2 CHF pro Tag zum Leben zur Verfügung hat!

Mit 600 CHF (€ 550) schenken Sie einem Absolventen der Automechanikerlehre in Juba, Südsudan, einen Werkzeugkasten, der es ihm gestattet, selbständig zu arbeiten.

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